Der Nationalpark Weerribben-Widen in der niederländischen Provinz Overijssel ist das größte Tiefmoorgebiet in Nordwesteuropa. Über 20 Ruderer von mehreren schweizerischen, deutschen, englischen und dänischen Ruderclubs, neben dem SCZ auch Cham, Basel, Romanshorn, Wädenswil, Thalwil, Konstanz, London und Kopenhagen mit 7 Ruderboten im Nationalpark unterwegs. Vom SCZ waren Frank, Vera, Christian, Jörg, Lieselotte und Kirsten dabei.
Von: Christopher King
Die Gruppe nutzte als Basis drei zu Hotelschiffen umgebaute Binnenschiffe von der Sog. „bruine vloot“, nämlich das MS Avontuur, das SS Avontuur, und das SS Minerva. Die „bruine vloot“ bezeichnet die ungefähr 400 traditionellen Frachtschiffe, die als Passagierschiffe umgebaut wurden. 2024 wurde die „bruine vloot“ von der UNESCO als kulturelles Erbe der Niederlande anerkannt, wie zum Beispiel auch die Blumenparade im Tulpenanbaugebiet, die wir in früheren Ruderwanderfahrten besucht haben. Die ganze Gruppe hatte Einzelkabinen, und die Köchin auf dem MS Avontuur hat drei Mahlzeiten am Tag, sowie ein Apero nach dem Rudern vorbereitet.
Die Anreise.
Die meisten Teilnehmer sind am Vorabend mit Flugzeug angereist und wurden von einem Bus für die gemeinsame Fahrt zu den Schiffen transportiert, die am ersten Tag am Kanal Giethoorn angelegt haben. Einige Teilnehmer sind mit der Bahn bis Meppel oder Zwolle und weiter mit Taxi gefahren. Ich war mit dem Reiserad aus Hannover angereist, und überquerte auf dem Fahrrad mehrere unter Ruderern bekannte Gewässer, wie etwa die Weser in Nienburg, die Vecht in Vechta, die Hase und Ems in Meppen(D), sowie das Mepplerdiep in Meppel (NL).
Giethoorn ist ein von vorwiegend asiatischen Tagestouristen sehr gut besuchter und im Frühling mit vielen Blumen geschmückter autofreier Ort mit vielen schmalen Kanälen, Windmühlen, Cafés und Souvenirläden. Nach dem Abendessen auf dem Schiff, also nachdem die Tagestouristen abgereist sind, machte die Gruppe einen Spaziergang durch den um diese Tageszeit sehr ruhigen Ort.
Der erste Rudertag - in Wherrys unterwegs.
Am ersten Rudertag fuhren wir erst mit dem MS Avontuur auf dem Kanal zum nahegelegenen Ort Steenwijk. Der örtliche Ruderclub „t’Diep“ befindet sich nicht am Kanal, sondern am gleichnamigen, nicht für unsere Schiffe befahrbare, Gewässer, so dass wir einen Spaziergang durch Steenwijk machen mussten, um zum Ruderclub zu kommen, wo 7 Wherrys auf uns gewartet haben. Wherrys sind breite Holzboote, ausgelegt für zwei Ruderer hintereinander und zwei Steuerleute nebeneinander. Die Boote hatten Macon-Ruderblätter, die aus guten Gründen seit den 1980er Jahren aus der Mode gekommen sind. Verglichen mit modernen Ruderblättern sind sie sehr breit und schwer mit symmetrischen Blättern und man braucht mehr Kraft, um sie zu drehen und einzusetzen. Die Blätter selbst sind verglichen mit den jetzt übliche Big Blades schmal. Die Schienen bei einiger Wherrys waren verglichen mit unseren C-Gigs sehr kurz, was auch gewöhnungsbedürftig ist. Gut bei den Wherrys war, dass die sehr robust sind. Sowohl die Boote als die Ruderblätter hatten Schrammen, Dellen und etwas Lack ab, so dass wir uns wenig Sorgen machen mussten, als wir auf den teilweise sehr schmalen Gewässern und vor allem unter Brücken oder in Schleusen unterwegs waren, dass wir die Boote oder die Ruderblätter beschädigen.
Von Steenwijk fuhren die Boote erst zu einer Kaffeepause mit Apfelkuchen im malerischen Örtchen Kalenberg, dann weiter nach Ossenzijl, wo die Schiffe zwei Tage lagen. Die Fahrt ging über sehr schmale Gewässer in einer weitgehend unberührten Landschaft im Nationalpark. Dort wurde als einziger Ort in den Niederlanden weitflächig Reet für Reetdächer angebaut. Schilder auf Niederländisch waren vom Wasser aus zu sehen: „hier wachsen Dächer“. Im Nationalpark waren viele Reiher, Störche und Schwäne und sogar Austernfischer zu sehen. Letzterer Vogel hätte ich nicht von allein, aber die Ornithologin aus Konstanz im Boot wusste Bescheid. Obwohl der Frühling erst angefangen hat, haben wir auch viele Küken, z.B. Gänseküken, gesehen.
34 Kilomter von Ossenzijl nach Kuinre.
Am zweiten Tag fuhren wir von Ossenzijl in die Lende, die die Grenze der Provinzen Overijssel und Friesland bildet, nach Kuinre, der südlichste Punkt der Tour und der Grenze zur Provinz Flevoland. Wir musste zweimal die Boote schleusen, auch in Kuinre und mehrmals unter tiefe und schmale Brücken fahren, wo wir nur mit den Rudern lang bzw. mit eingezogenem Kopf durchfahren konnten. In Slijkenburg überquerten wir die Grenze zur Provinz Friesland und kehrten am Hafen des hübschen blumengeschmückten Orts Langelilie für Kaffee und Kuchen ein. Danach ruderten wir entlang eines durch Torfabbau entstandenen See und durch eine zweite Schleuse, bevor wir wieder nach Overijssel und zu den Schiffen in Blokzijl zurückkamen. Mit 34 Km. war der Tag der längste Tag auf der Wanderfahrt.
Ausreichend Zeit für Kuchen und Apero.
Am nächsten Tag ging es – wieder mit einer Pause für Kaffee und Kuchen in Kalenberg – weiter durch schmale Wasserwege im Nationalpark, die gerade noch breit genug für die Wherrys waren und den Steuerleuten viel Geschick und Aufmerksamkeit abgefordert haben, nach Ossenzijl. Ossenzijl ist ein größerer Ferienort mit vielen Hausbooten und Ferienwohnungen, die in der Frühsaison zumeist leer waren. Es gab eine Schleuse. Die Schiffe haben in Ossenzijl am Hafen angelegt, aber sie mussten einen längeren Weg als die Ruderboote zurücklegen, denn sie können nicht auf den engen Wasserstrassen im Nationalpark fahren. Einige Ruderer sind in die Kneipe mit Blick auf die Schleuse eingekehrt, um auf die Schiffe zu warten und haben die Schiffe beim Vorbeifahren zugewunken. Andere stiegen vor der Schleuse ein und hatten bereits mit dem Apero angefangen. Mit 19 Km war die Strecke am zweiten Rudertag kürzer, und wir waren sehr gut in die Zeit für das Apero und das Abendessen.
Der letzte Tag - auf zu neuen Abenteuern.
Am letzten Tag fuhr eine Gruppe nach Blokzijl über das Noorderdiep und das Giethoornse Meer nach Dwarsgracht und Giethoorn, wo wir die Wherrys auf das MS Avontuur geladen haben, da sie für eine Anschlussfahrt mit dem schweizerischen Ruderverband in Amsterdam benötigt waren. In Dwarsgracht ruderten wir kilometerlang neben Hausbooten, die zumeist in der Nebensaison leer standen. Bei einigen brauchte es viel Fantasie daran zu denken, wie die „Hausboote“ je von ihrer Stelle bewegt werden könnten. Viele Hausboote schienen nicht seetauglich zu sein, einige haben bessere Zeiten gesehen. Noch andere waren gut unterhalten und das Deck gar mit Blumen geschmückt. Eine andere Gruppe Ruderer fuhr zurück zum Ruderclub in Steenwijk. Die erste Gruppe kam in Giethoorn vor den Schiffen an und konnte am Kanal, wo die Schiffe anlegen mussten, noch zum Kaffee und Kuchen einkehren, bevor wir zu den Schiffen gerudert sind und die schweren Wherrys zusammen mit der Schiffsbesatzung auf das Schiffsdeck getragen haben.
Die Ausfahrten unterstützt vom MS und SS Avontuur und deren Kapitän Wamme haben inzwischen Tradition beim SCZ, und viele denken, dass der Name der Schiffe, der auf Deutsch „Abenteuer“ bedeutet, auf das Abenteuer einer solchen Schiffsreise hindeutet. Das hatte ich auch in den letzten Jahren immer gedacht, bis ich auf dieser Reise ein kleines Plakat im Schiff gelesen hatte. Im Norden der Niederlande ist „Avontuur“ ein Familienname, und Herr Avontuur war der ursprüngliche Eigentümer des MS Avontuur, als es vor etwa 100 Jahren vom Stapel lief. Auch wenn der Name der Schiffe nicht unmittelbar Abenteuer verspricht, freue ich mich auf das nächste Abenteuer mit dieser Gruppe Ruderer sowie die Unterstützung und Verpflegung von Wamme und seinem Team.









